Kizaemon Teeschale

Photo: https://chano-yu.com/japanese-museum-antiques/japans-national-treasure-korean-ido-pottery-tea-bowl-kizaemon-ido/


Die schönste Schale für Mingei Anhänger

Soetsu Yanagi, der Begründer der Mingei Bewegung hat sich intensiv mit der Kizaemon Schale beschäftigt:

„Als ich sie sah, stockte mir das Herz: eine gute Teeschale, ja, aber wie gewöhnlich! So einfach, dass man sich einen gewöhnlichen Gegenstand nicht vorstellen kann. Sie trägt nicht die Spur einer Verzierung, nicht die Spur eines Gestaltungswillens. Sie ist nicht mehr als eine koreanische Essensschale, eine Schale überdies, die ein armer Mensch jeden Tag benutzen würde – alltäglichste Töpferware.

Ein seinem Zweck angemessener Gegenstand, der nahezu nichts kostet, der von einem armen Mann hergestellt wurde, ein Gegenstand ohne persönliche Note, von seinem Besitzer gedankenlos benutzt, ohne Stolz gekauft, eine Ding, das jedermann an einem beliebigen Ort hätte erstehen können: Das ist es, was diese Schale ausmacht. Der Ton wurde am Hügel hinter dem Haus gestochen, die Glasur wurde mit der Herdasche gemacht, die Töpferscheibe war unregelmäßig. Hinter der Form steckt kein besonderer Einfall: Sie war eine von vielen. Die Arbeit wurde rasch ausgeführt, das Abdrehen geschah grob und mit schmutzigen Händen, das Drehen erfolgte nachlässig, die Glasur war über den Fuß gelaufen. Der Raum in dem die Drehscheibe stand, war dunkel. Der an der Drehscheibe saß konnte nicht lesen.. Beim Brennofen handelte es sich um eine jämmerliche Angelegenheit, das Brenne wurde ohne jegliche Sorgfalt durchgeführt. Am Gefäß klebte Sand, aber dass kümmerte niemanden; keiner legte irgendwelche Träume in dieses Ding. Bei seinem Anblick könnte ein Töpfer seien Beruf aufgeben. (…)

Vor allem ist dieses Gefäß gesund. Gemacht für einen Zweck, hergestellt für eine Aufgabe. (…) Die Schönheit ist eine unausbleibliche Folge gerade dieser Gewöhnlichkeit.“

aus: Soetsu Yanagi (1999): Die Schönheit der einfachen Dinge. Mingei – Japanische Einsichten in die verborgenen Kräfte der Harmonie. Lübbe. S. 196