Shino and the old man

Inhaltsangabe

  1. Information zum Film
  2. Der Film
  3. Reflektion zur Filmbotschaft
  4. Reflektion nach Themenbereichen
  5. Wirkung auf meine Arbeit
  6. Entstandene Keramik


Informationen zum Film

Gefunden auf:                 YouTube                               Konto von:               Simon Pigott

Regisseur:                       Matsukawa Yasuo               Entstehungsjahr:     1968

Spielzeit:                         40 min.                                 Format:                      16 mm

Hauptakteur:                  Potter Arakawa Toyozo

                                         Meister von  Shoji Hamada im Töpferort Mino

Sprache:                          Japanisch mit englischen Untertiteln

canicula/Depositphotos.com

Der Film

Reflektion zur Filmbotschaft

Text

Worum geht es in dem Film?
Durch Zufall findet der alte Mann auf seinen Spaziergängen im Wald eine Tonscherbe. Die noch spürbare Ausdruckskraft animiert ihn, an dem vergessenen Ort eine Töpferei aufzubauen und sein Leben der Shino – Keramik zu widmen. Nach 30 Jahren kommen verstärkt städtische Besucher zu ihm. Der materielle Reichtum dieser Kunden ist für ihn jedoch nicht von Bedeutung. Die tägliche Arbeit und Entwicklung einer ausdrucksstarken Keramik prägt hingegen sein ganzes Leben.

Welche Botschaft findet sich im Film?

Yasuo dokumentiert mit seinem Film die Haltung sich im Leben einer einzigen
Aufgabe hinzugeben. Streben nach materiellem Reichtum und gesellschaftlicher Anerkennung sind dabei nicht relevant.


Storyboard

Es war einmal ein junger Mann. Er ging oft und sehr lange im Wald spazieren.

Eines Tages fand er eine Tonscherben auf dem Waldboden. Sie war ein Zeugnis längst vergessene Töpferkunst. Fortan beschloss er, an diesem Ort mit seinen Händen die gleiche Art Keramik herstellen zu wollen.

Er baute seinen eigenen Ofen.

In den Bergen von Mino arbeitete er 30 Jahre ausschließlich in seiner Töpferei.

Den Ort verließ er nie. Er beschäftigte sich nur mit der Keramik. Die Bewohner des Dorfes versorgten ihn mit dem Notwendigsten. Bezahlen konnte er sie nicht.

Die Stücke, die er herstellte zerschlug er gleich wieder.

Wohlhabende Besucher aus der Stadt kamen zu ihm und kauften seine Keramik.
Der japanische Staat zeichnete ihn als „Lebenden Nationalschatz“ aus.
Keiner wagt es mehr aus seinen Schalen zu trinken. Sie scheinen, als Gebrauchsgegenstand zu kostbar zu sein.

Reflektion nach Themenbereichen

Zufälle bestimmen einen Lebensweg

In der Welt von Akademikern, insbesondere die Lebenswelt der Akademiker von Eliteuniversitäten sind von einem klar strukturierten Lebensweg gekennzeichnet. Vom Kindergarten bis zur angesehenen Hochschule sind begleitendete Institutionen vorgesehen. Abweichungen führen oftmals zum Ausschluss aus dem Karrieresystem. Zufälle wie sie der Töpfer Toyozo erlebt, die seinen Lebensweg bestimmen, sind dabei nicht vorgesehen. Sind es aber nicht gerade diese zufälligen Begegnungen, die unser menschliches Leben ausmachen?

Zeichnung von samakarov/Depositphotos.com

Arbeit und Besinnung

Der Töpfer Toyozo hat sein ganzes Leben der Herstellung der Shino Keramik gewidmet. Eine Trennung von Arbeit und Freizeit existierte nicht. Aber er kannte Ruhephasen und Phasen der Besinnung während der Arbeit. Phasen der Besinnung waren sogar elementarer Bestandteil seiner beruflichen Entwicklung.

Ein Brand im Holzofen benötigt mehrere Tage. Der Töpfer muss sich ganz dem Prozess des Brennens hingeben, findet aber auch während des Brennprozesses Entspannung. Die Phasen der Besinnung muss nicht an einen anderen Ort oder in eine andere Zeit transformiert werden. Sie sind Bestandteil des Arbeitsprozesses und der Entwicklung seiner Imagination. Eine ganz andere Form von Arbeitsgestaltung finden wir in dem Film Modern Times von Charlie Chaplin, der die Auswirkungen von Maßnahmen der Rationalisierung von Arbeitsprozessen verdeutlicht.


Zeichnung von samakarov/Depositphotos.com

Unsichtbare Wand zwischen Töpfer und Kunden

Unsichtbare Wand

Das Bild weist auf eine unsichtbare Wand hin, die zwischen dem Töpfer und seinen Kunden steht. Der traditionell gekleidete Töpfer sitzt irritiert am Tisch und beobachtet seine Kunden. Die Gruppe an westlich gekleideten Geschäftsreisenden diskutieren engagiert über die vor ihnen stehende Keramiken. Was hat sich für eine unsichtbare, aber spürbare Wand zwischen ihnen aufgebaut? Ist es die Differenz zwischen dem traditionellen Japan und dem westlichen Kapitalismus?

Zeichnung von alekseimakarov/Depositphotos.com

Das Wesen der Dinge zeichnerisch erkunden und wertschätzen.

Gleich beim ersten Mal haben mich die Tuschemalereien der Kunden in den Bann gezogen. Was für eine wundervolle Form die Keramiken in einem Buch wieder zu geben. Die Kunden hatten ein Skizzenbuch oder eine Art von Katalog bei sich, in die sie ihre Käufe festhielten, denn wie Künstler
wirkten sie nicht auf mich, eher wie Geschäftsreisende. Wenn ein Brand fertig ist, reisen Galleristen zu sehr prominenten Töpfern und kaufen gleich in der Werkstatt die schönsten Keramiken. Ich habe aber noch nie gesehen, dass einer der Kunden so liebevoll die erstandene Ware katalogisiert. Heute
bringen die Kunden ihre Handys, mit denen sie Erinnerungsfotos machen oder anderen zur Auswahl
des Bestandes schicken. Für mich war diese Tuschemalerei eine wunderbare Anregung selbst einen Katalog mit meinen Keramiken herzustellen. Auch wird durch diese Art der Manifestation erst die mit der Keramik transportierte Idee
thematisiert. Die Tuschemalerei beschreibt die Form und die Glasur der Schale in Analogie zur Natur. Es wird auf diese Art und Weise deutlich, dass die Schalen mit der Natur korrespondieren. Nicht nur dass sie aus dem Erdreich der Region entwickelt wurden, darüber hinaus spiegeln sie die
Charakteristik der Landschaft mit ihren Höhen, Tiefen, Bergen, Tälern und Seen wieder. Mit der Tuschemalerei lässt die mit der Keramik geschaffene Landschaft erkunden und als Ausdruckskraft nachvollziehen.

Zeichnung von samakarov/Depositphotos.com

Aufwertung oder Verlust des Handwerks

Vielfach geben sich Japaner der Schönheit alltäglicher Dinge hin. Sie haben dafür sogar ein eigenes Wort mingei. Soetsu Yanagi beschreibt das Wesen von mingei: „It is meant to stand in contrast to aristocratic fine arts, and refers to objects used by ordinary people in their daily lives. These objects include household effects such as clothing, furniture, eating utensils, and stationery.” (Yanagi, S. 3)

In dem Film erweckte der Töpfer Arakawa Toyozo die traditionelle Shino Keramik aus Mino zu neuem Leben. Im Laufe der Zeit verlor sie jedoch den Stellenwert eines alltäglichen Gebrauchsgut und wurde zu einem Kunstwerk. Die gesellschaftliche  Klassierung als Living National Treasur und ein damit verbundener enormer Preisanstieg spielten eine wesentliche Rolle. Beides beschreibt zwar eine gesellschaftliche Wertschätzung in einem am Kapital orientierten Gesellschaft, aber zugleich auch eine Entfremdung von Alltagsleben der meisten Menschen und damit auch eine Entfremdung von den Einflussfaktoren, die handwerklich gefertigte Dinge auf uns ausüben. Es kann nicht das Ziel sein uns zunehmend mit industriell gefertigten Dingen zu umgeben und diese auf uns wirken zu lassen. Geht damit nicht auch das handwerkliche Denken verloren, welches wir so nötig für lehrreiche Erfahrungen mit Widerständen und Vieldeutigkeiten benötigen?

Soetsu Yanagi (2017): The Beauty of everyday Things. Penguin Classics

Zeichnung von chronicler101/Depositphotos.com



Wirkung auf meine Arbeit

Entstandene Keramik